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„Große Pause”
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Eine künstlerisch-fotografische Erforschung des Containerprovisoriums der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule Mühlacker im Schuljahr 2013/14.
Danksagung:
Mein Dank gilt Herrn OStD a.D. Wagner, Herrn RStD Kibele, Herrn StD Widder und Frau OStRin Schnauffer für die freundliche Unterstützung des Projekts sowie Frau Trenz vom Amt für Bildung und Kultur des Landratsamtes Enzkreis für die Fotografiererlaubnis im Innen- und Außenbereich.
Objekt:
Containerprovisorium für den theoretischen Unterricht der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule Mühlacker, deren Hauptgebäude im Schuljahr 2013/14 wegen Sanierungsarbeiten komplett geschlossen blieb, auf dem Gelände der Alten Ziegelei gelegen.
Projektstatus:
Konzeptidee, weitere Recherche und Besprechungen vor Ort ab Mai 2014, Fotografiererlaubnis im Juli 2014. Nach drei Fotodurchgängen im August 2014 mit 26 verwertbaren Aufnahmen abgeschlossen. Weitere Planungen im Sinne von Ausstellungen, Wettbewerbseinreichungen oder Publikationen noch offen.
Essai:
Alles begann mit einigen Betrachtungen und Überlegungen bei der Vorbeifahrt im Frühjahr: „Eine mächtige Ansammlung von Containern auf zwei Etagen, auf drei Seiten von Gebüsch und Bäumen umgeben, auf der vierten Seite an die im Abriß befindlichen Ziegelwerke angrenzend. Ein geheimnisvolles und verwunschenes Gebilde, wie ein liegender Buchstabe E, zugleich in nüchterner Akkuratesse und silbrigem Schein erstrahlend ... Beherbergungen für Bauarbeiter? Ein UFO gar, welches sich in die schwäbische Provinz verirrte? Oder zu guter Letzt eine nochmalige Erweiterung des Landratsamts, welches zuvor schon ein Jobcenter im Verwaltungsgebäude der ehemaligen Ziegelei eingerichtet hatte?
Doch nein, viel prosaischer, wie ich alsbald erfuhr: Es handelte sich um ein Provisorium, wenngleich ein recht aufwendiges und wertiges. Dorthin waren Teile der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule Mühlacker, einer gewerblichen Schule des Enzkreises, im Schuljahr 2013/2014 wegen Sanierung des Hauptgebäudes ausgelagert worden. Nicht schlecht sei es dort, erfuhr ich von maßgeblicher Seite der Schule bei meiner Recherche im Vorfeld und der Einholung der Fotografiererlaubnis. Eben nüchtern und funktionell in löblicher Weise, da sich so im Unterrichtsbetrieb Ablenkung mindern und Konzentration fördern ließen. Die Wände seien wohl dünn, aber erstaunlich gut isoliert. Über einen inneren, gefühlsmäßigen Bezug zu den Räumlichkeiten war hingegen wenig zu vernehmen, am ehesten noch im Sinne eines „Wir haben es dort ausgehalten, aber unser Herz hing nicht daran. Nun ist es gut, daß es vorbei ist”.
Soweit die Eindrücke im Vorfeld dieses Fotoprojekts, also noch vor den eigentlichen fotografischen Durchgängen. Mein künstlerisches Interesse war geweckt, und ich wollte diesen ´Gesamtkomplex von nüchtern-funktionaler Architektur, üppig wucherndem Umgebungsgrün und gewesenem Unterrichtsbetrieb´ (der Rückumzug stand kurz bevor, die Kartons waren schon gepackt) gerne auf meine Weise begehen und abbilden. Wie mittlerweile bekannt sein dürfte, steht bei meinem Fotoprojekten ja nie eine Dokumentation oder Inventarisierung, sondern immer eine sehr persönliche und gefühlsmäßige Annäherung an das Abgebildete im Vordergrund.
So ergaben sich auch hier ´Bilder´ und ´Erkenntnisse´ als wesentliche Ergebnisse. Mit gewissem Hintersinn könnte man auch von ´bildhaften Erkenntnissen´ und ´mentalen Bildern´ sprechen.
Hinsichtlich der gewonnenen Bilder läßt sich sagen, daß 26 verwertbare Aufnahmen vorliegen, darunter Tag- und Nacht-, Innen- und Außenansichten (siehe untenstehende Vorschaubilder). Für Sammler und sonstige Interessierte sei erwähnt, daß auch diese Aufnahmen wiederum großformatig und in limitierter Auflage erworben werden können. Was nun die einzelnen Bilder angeht, mögen diese für sich selbst sprechen. Es muß und darf ja auch so sein, daß jeder Betrachter darin eigene Anknüpfungen und Empfindungen vorfindet, so daß ich an dieser Stelle keine schlußgültigen Interpretationen vorgeben möchte.
Von Seiten der gewonnenen Erkenntnisse steht für mich ganz obenauf, daß mir die Containerschule tatsächlich viel weniger belebt erschien wie etwa die Maulbronner Schenkwerke oder die Mühlacker Ziegelei, welche ich zuvor erarbeitet hatte. Alle drei Komplexe standen zum Aufnahmezeitpunkt leer, so daß es hier wohlgemerkt um die ´Phantasie der Belebtheit´ ging. Dies erscheint als überraschender Befund, denn die Containerschule war ja im Vergleich zu den anderen Objekten erst unlängst aus der Nutzung herausgefallen. Eine psychologische Erklärung bietet sich (in Anlehnung an meinen Zweitberuf als Psychotherapeut) hier an: „das Ausmaß, mit dem sich die dort ehemals Beschäftigten mit den Gebäuden identifizieren können, steuert die sich beim Betrachter einstellende Phantasie der Belebtheit.
Gleichwohl kann ich nicht sagen, daß mir die Containerschule fremd blieb. Im Gegenteil, denn sowohl in den architektonischen Strukturen mit ihren Blickfluchten wie auch an der Schnittstelle zwischen nüchtern-funktionaler Architektur und üppig wucherndem Umgebungsgrün ergaben sich viele reizvolle ästhetische Verdichtungen und Spannungsbögen. Insofern wurde mir das Gebäude sogar auf eine bestimmte Weise vertraut, auch wenn es nun (seiner schicksalshaften Bestimmung folgend) alsbald von der Bildfläche verschwinden wird.
Zeitungsberichte:
(1) PZ vom 30.08.2014: „Große Pause” (mit nachfolgendem Textauszug)
  bildEs mag im ersten Moment seltsam erscheinen, wenn ein Fotograf, dessen Form der Mitteilung sich in der Regel auf Visuelles beschränkt, über seine Fotografien nicht nur das Auge, sondern den kompletten Sinnesapparat des Betrachters ansprechen möchte – doch guten Fotokünstlern gelingt genau das. Und Brotzler, der inzwischen zu den bekanntesten Vertretern seiner Zunft zählt, hat nicht zuletzt durch seine regionalen Projekte zum Maulbronner Schenk-Areal und der ehemaligen Ziegelei im Herzen Mühlackers (PZ berichtete) bewiesen, dass Anspruch und Wirklichkeit bei ihm nicht auseinanderklaffen ... Seine Bilder entstanden, als schon lange kein Unterricht mehr in den Räumlichkeiten stattfand, weder Schüler noch Lehrer über die Flure huschten oder sich in Klassenzimmer drängten. So entsteht eine bewusst gewählte Leere, die der Betrachter selbst füllen muss. Dass dies gelingt, liegt an der einfachen Erkenntnis, dass der Schulalltag – mag er bei manchem auch schon lange her sein – in den Köpfen der Menschen auch noch nach Jahrzehnten präsent und abrufbar ist. So fühlt man sich zurückversetzt in die eigene Schulzeit, und viele Eindrücke, die mit Brotzlers Arbeiten verbunden werden, gelangen aus dem Unterbewusstsein zurück in die Erinnerung ... Dabei sind die Bilder des Dürrmenzers nichts, was man so eben im Vorbeihuschen erfassen kann. Die kompositorisch ausgeklügelten Fotografien setzen Muße und Geduld voraus, sich auf das Abgebildete einzulassen und sich mit den Arbeiten zu beschäftigen. Brotzler fordert, wenn man so will, ein Innehalten förmlich ein. Oder, um im Bild zu bleiben: eine große Pause.
Vorschaubilder:
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© WEB PRO MEDICO Letzte Änderung am 30. August 2014